Galli Uhren Bijouterie

Es freut uns sehr, dass Ihr Interesse der Signature Story von Galli gilt. Tauchen Sie in eine aussergewöhnliche Schweizer Unternehmensgeschichte ein.

Weisses Symbol einer Aktenmappe.

Branche

Uhren Bijouterie

Weisses Symbol eines Kalenders.

Gründungsjahr

1882

Weisses Symbol einer Person.

Grösse

11 bis 50 Beschäftigte

Weisses Symbol einer Flagge.

Theaterstrasse 16, beim Bellevue 8001 Zürich

Theaterstrasse 16, beim Bellevue 8001 Zürich

Weisses Symbol eines Sterns.

Webseite

Hier klicken

Unternehmensporträt

Einleitung

Es gibt Orte in einer Stadt, die sich nicht verändern – nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil sie es nicht müssen. Die Galli Uhren Bijouterie an der Theaterstrasse 16, direkt am Bellevueplatz in Zürich, ist ein solcher Ort. Seit 1882 steht hier ein Geschäft, das mehr ist als ein Laden für Uhren und Schmuck: Es ist ein lebendes Zeugnis handwerklicher Leidenschaft, familiären Mutes und schweizerischer Beständigkeit.

Was einst mit einem Anfangskapital von 500 Franken und einigen gebrauchten Taschenuhren im Schaufenster begann, ist heute eines der renommiertesten Multibrand-Uhrenfachgeschäfte der Deutschschweiz. Fünf Generationen der Familie Galli haben dieses Erbe bewahrt, geformt und weiterentwickelt – durch Kriege, Einbrüche, wirtschaftliche Krisen und den unerbittlichen Wandel der Zeit. Und dennoch: Der Name Galli steht noch immer dort, wo er hingehört. Am Bellevue. Im Herzen von Zürich.

Was diese Geschichte so besonders macht, ist nicht die blosse Länge der Tradition, sondern die menschliche Tiefe dahinter. Es sind die Wanderjahre eines jungen Uhrmachers aus Königsberg, der zu Fuss durch Deutschland zog. Es ist eine Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes mit sechs Kindern allein entscheiden musste, ob ein Lebenswerk weitergeht. Und es ist eine Familie, die jede Herausforderung als Auftrag verstanden hat – weiterzumachen, besser zu werden, Zeit zu haben.

Hauptteil

Paul Galli kam am 2. Dezember 1859 in Königsberg auf die Welt – in einer Zeit, in der ein Handwerk noch wirklich zu Fuss erlernt wurde. Im Haus nebenan, vermutlich im Uhrengeschäft des Meisters Louis Futter, begann der junge Paul seine Lehre. Von 1874 bis 1877 zog er jeden Morgen aus, um sämtliche öffentlichen Uhren der Stadt aufzuziehen, darunter die Turmuhr der Maienkirche. Es war nicht bloss Arbeit – es war Verantwortung für die Zeit einer ganzen Stadt. Eine Verantwortung, die ihn prägen sollte.

Nach der Lehrzeit begannen die Wanderjahre. Wer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Uhrmacher werden wollte, der reiste – und zwar zu Fuss. Paul Galli zog quer durch Deutschland, erreichte das Meer, überquerte schliesslich den Atlantik und gelangte nach Nordamerika. Wann immer das Geld ausging, suchte er Arbeit als Uhrmacher, erhielt vom jeweiligen Bürgermeister ein Zeugnis mit persönlicher Unterschrift und zog weiter. Diese Jahre formten nicht nur sein Handwerk, sie formten seinen Charakter: bescheiden, unerschrocken, zielstrebig.

Als Paul Galli schliesslich in Zürich ankam, arbeitete er zunächst als Uhrmachergehilfe, zunächst bei J. Siegfried, später bei der Firma Lansel. Doch der Gedanke, etwas Eigenes aufzubauen, liess ihn nicht los. 1882 übernahm er von einem anderen Uhrmacher ein kleines Geschäft an der Oberdorfstrasse. Das Startkapital: 500 Schweizer Franken. Das Warenlager: einige gebrauchte Taschenuhren, aufgefrischt und ins Schaufenster gestellt. Die Haupteinnahmen kamen nicht aus dem Verkauf, sondern aus der Reparatur – denn Zürich war damals eine Stadt mit einem hohen Anteil deutschsprachiger Einwanderer, und Paul Galli verstand sie, wusste, was sie brauchten, baute schnell einen treuen Kundenstamm auf.

Sein Ehrgeiz trieb ihn vorwärts. Als das Geschäft zu klein wurde, fand er ein neues Ladenlokal – an der Tonhallenstrasse 20, der heutigen Theaterstrasse. Die Lage war damals noch nicht zentral, das Gebiet galt als Stadtrandzone. Doch die Aussicht war schön, und die Zürcher nannten diesen Platz bald schlicht «Bellevue». Paul Galli war Pionier genug, um zu erkennen: Wer hier steht, steht richtig. Als Erster auf dem Platz Zürich beleuchtete er seine Schaufenster elektrisch – und sorgte damit bei der Konkurrenz für echtes Unbehagen. Er knüpfte Kontakte zu den Concierges der grossen Zürcher Hotels, die Touristen direkt zu ihm am Bellevue verwiesen. Es war modernes Netzwerken, lange bevor das Wort existierte.

Doch das Glück war nicht dauerhaft. Nach 15 Jahren unermüdlicher Arbeit erlebte Paul Galli einen vernichtenden Rückschlag: Eine Diebesbande plünderte in einer einzigen Nacht das gesamte Warenlager. Alles, was in anderthalb Jahrzehnten aufgebaut worden war, war verloren. Ein anderer hätte aufgegeben. Paul Galli nicht. Mit der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 erlebte das Geschäft einen neuen Aufschwung. Der Besucherstrom, der durch die Ausstellung ausgelöst wurde, führte auch Gäste ans Bellevue – und Galli empfing sie in einem frisch umgezogenen, neu eingerichteten Geschäft an der Theaterstrasse 16. Jener Adresse, die bis heute die seine ist.

1899 hatte Paul Galli das neu erbaute Haus bezogen – errichtet auf dem Grundriss des abgerissenen Patrizierhauses «zum langen Stadelhof». Noch heute steht Galli an genau diesem Ort. Es ist eine Kontinuität, die in Zürich ihresgleichen sucht.

Die zweite Generation trug den Namen Max Galli. Seine erste Begegnung mit dem Uhrmacherhandwerk war, nun ja, olfaktorisch: Ein Gehilfe liess den kleinen Max an einer Salmiakflasche riechen – mit dem Ergebnis, dass er «für einige Zeit genug von der Uhrmacherei hatte», wie er später in der Familienchronik selbst notierte. Doch die Zeit im Geschäft, das Aufwachsen zwischen Werkzeug und Uhrwerken, hinterliess seinen Eindruck. Max Galli übernahm das Ruder und führte das Unternehmen durch schwierige Jahrzehnte – zwei Weltkriege, wirtschaftliche Einbrüche, gesellschaftliche Umbrüche. Unter seiner Führung wurde Galli Mitglied im Schweizer Uhrmacherverband, und als Präsident des ZVSU war Max Galli sogar beauftragt, den Uhrenpavillon der Schweizer Landesausstellung einzurichten – eine Auszeichnung, die den Rang des Hauses Galli im nationalen Uhrmacherwesen deutlich unterstreicht.

Die dritte Generation, Bruno Galli, reiste vor seinem Einstieg ins Familienunternehmen für zwei Jahre nach Québec, Kanada, um Englisch zu lernen – eine weltoffene Geste, die dem Erbe seines Urgrossvaters, der einst Amerika bereiste, nicht unähnlich war. Als Bruno 1953 offiziell ins Geschäft eintrat, florierte es: drei Uhrmacher, drei Verkäuferinnen, jährlich steigende Umsätze. Der Bellevueplatz war längst kein Randgebiet mehr, sondern das Herz des urbanen Zürichs. Galli wuchs mit der Stadt.

Dann kam der dunkelste Moment in der Geschichte des Hauses. Am 17. Mai 1972 starb Max Galli. Nur zwei Monate später folgte ihm sein Sohn Bruno – der amtierende Geschäftsführer – im Alter von gerade 42 Jahren. Auf einen Schlag war die gesamte operative Führung des Unternehmens verloren. Nelly Galli stand mit sechs Kindern und einem Lebenswerk vor einer Entscheidung, die schwerlich in Worte zu fassen ist: aufgeben oder weitermachen?

Sie entschied sich fürs Weitermachen. Und damit bewahrte sie nicht nur ein Geschäft – sie bewahrte eine Seele. Die Geschichte von Galli ist in diesem Moment vielleicht am menschlichsten, am verletzlichsten – und gerade deswegen am bewegendsten.

Heute führt Marco Galli das Unternehmen als Inhaber der fünften Generation. An seiner Seite: Bryan Gablinger als stellvertretender Geschäftsführer, Uhrmacher Erik Schurink und ein eingespieltes Team von Verkaufsberatern. Das Sortiment ist heute so breit wie anspruchsvoll: Tudor, Breitling, Omega, Longines, Tissot, Rolex – Galli ist autorisierter Händler für einige der bedeutendsten Uhrenmanufakturen der Welt. Dazu hochkarätiger Schmuck von Häusern wie Cammilli, Chimento und Canada Mark. Das hauseigene Uhrenatelier im Haus ermöglicht professionelle Reparaturen und Services, und der «Galli CPO»-Bereich – Certified Pre-Owned – zeigt, dass das Haus auch im modernen Gebrauchtuhrenmarkt seinen Platz gefunden hat.

Was Galli von einem beliebigen Multibrand-Store unterscheidet, ist nicht das Sortiment allein. Es ist das Gewicht der Geschichte, das in jedem Gespräch mitzuschwingen scheint. Wenn ein Kunde heute an der Theaterstrasse 16 eintritt, betritt er ein Haus, das schon Gäste empfangen hat, die mit der Pferdestrassenbahn – der «Flunterner Eierkiste» – ans Bellevue kamen. Das ist keine Nostalgie. Das ist Substanz.

Abschluss

Über 140 Jahre Galli – das ist kein Jubiläum, das man mit Zahlen feiert. Es ist ein Versprechen, das von Generation zu Generation erneuert wurde: die Zeit ernst zu nehmen, das Handwerk zu ehren und für den Menschen da zu sein, der mit einer Uhr am Handgelenk mehr trägt als ein Zeitmessgerät. Paul Galli hat 1882 mit 500 Franken und dem festen Glauben an seine Arbeit begonnen. Nelly Galli hat dieses Erbe in den dunkelsten Stunden gerettet. Und Marco Galli führt es heute mit derselben Haltung weiter, die das Haus seit jeher auszeichnet: Präzision, Menschlichkeit, Beständigkeit.

In einer Welt, die immer schneller wird, ist Galli ein Ort, der inne hält. Nicht aus Trägheit, sondern aus Überzeugung. Denn wer Zeit versteht, weiss auch, was bleibt. Das Bellevue verändert sich, Zürich verändert sich – aber an der Theaterstrasse 16 steht noch immer das Haus, das Zeit hat. Für jeden, der eintritt. Seit 1882.

© 2026 findlocal.ch | Bitte beachten Sie den rechtlichen Hinweis zu unseren Signature Stories.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unerer Signature Story über Galli.

Weitere exzellente Unternehmen

'fl' findlocal.ch Logo an einer Gebäudeaussenwand und die zwei Porträts von den findlocal.ch Gründern; Julia Fernandez und Louie Lüthi.

Nur wenige erhalten diesen Platz. Werden Sie Teil von FindLocal.