Die Geschichte von Läderach beginnt nicht 1962, sondern bereits 1926 – mit Rudolf Läderach senior, der in Netstal eine Bäckerei eröffnete. In einer Zeit, in der Brot und Kuchen das tägliche Geschäft waren, legte er den Grundstein für eine Familientradition, die sich auf Süsses spezialisieren sollte. Sein Sohn Rudolf junior (1929–2013), ausgebildeter Chocolatier, spürte früh seine Berufung. Nach Jahren in der Branche gründete er 1962 in Glarus die Confiserie Läderach AG – zunächst als kleine «Konditorei der süssen Geschenke», mit Fokus auf Pralinen, Truffes und Konfekte.
Rudolf junior war ein Visionär mit handwerklichem Herz. Er wollte nicht massenproduzieren, sondern Qualität schaffen – Schokolade, die Freude macht und lange im Gedächtnis bleibt. 1970 patentierte er das revolutionäre Verfahren für dünnwandige Truffes-Hohlkugeln, das bis heute ein Markenzeichen ist: knusprig aussen, cremig innen, ein Genuss, der die Konkurrenz in Staunen versetzte. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Die Confiserie wuchs, zog 1985 nach Bilten um und wurde zum grössten Arbeitgeber im Glarnerland.
Die 1980er und 1990er waren geprägt von Expansion. 1985 öffnete die erste Chocolaterie in St. Gallen – ein novatorischer Schritt: Offener Verkauf von FrischSchoggi, wo Kunden ihre eigene Tafel zusammenstellen konnten, mit Nüssen, Früchten und Schokolade nach Wahl. Das Konzept revolutionierte den Markt und machte Läderach zum Synonym für frische, personalisierte Schokolade. 1994 übergab Rudolf junior die operative Führung an seinen Sohn Jürg Läderach, der das Unternehmen bis 2018 als CEO leitete und bis 2021 im Verwaltungsrat blieb.
Jürg Läderach brachte frischen Wind. Unter seiner Leitung verdoppelte sich der Umsatz, das Auslandsgeschäft explodierte mit Filialen in Dubai, New York und Shanghai. Er investierte in Produktion und Innovation – 2018 übernahm sein Neffe Johannes Läderach als CEO, Elias als Chief Creative Officer. Johannes, HSG-Absolvent, führte die Digitalisierung voran; Elias, World Chocolate Master, sorgt für Kreativität. Gemeinsam bauten sie das House of Läderach in Bilten aus – mit Fabriktouren, der längsten FrischSchoggi-Theke der Welt und einem Factory Store, der Besucher aus aller Welt anzieht.
Ein Meilenstein war 2026 die Eröffnung von Bilten 2 – der grösste Investitionsprojekt der Firmengeschichte, eine modulare Fabrik für die FrischSchoggi-Linie, die Wachstum ermöglicht und Nachhaltigkeit priorisiert. Läderach produziert heute 120'000 Tafeln FrischSchoggi täglich, mit Zutaten aus nachhaltigem Anbau – ein Zeichen für Verantwortung in einer Branche, die oft kritisiert wird.
Die Philosophie von Läderach ist in der Unternehmerischen Charta festgehalten: Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion. Mit 2500 Mitarbeitenden aus 80 Nationen lebt das Unternehmen Toleranz und Respekt. Die Prinzipien definieren das Verhältnis zu Kunden, Lieferanten, Mitarbeitenden und Gesellschaft – langfristig, familiengeführt, ohne Börsendruck.
Der Weg zur Exzellenz war nie linear. In den 1990ern kämpfte Läderach gegen Billigimporte, später gegen Skandale in der Familie. Doch die dritte Generation – Johannes und Elias – hielt Kurs: Umsatzsteigerungen, neue Produkte wie MiniMousses und Fruchttrüffel, Ausbau des Online-Shops. Elias als World Chocolate Master (seit 2018) und SBC-Vorstandsmitglied bringt handwerkliche Expertise; Johannes den strategischen Blick.
Heute ist Läderach ein globaler Player mit Fokus auf Premium: FrischSchoggi, Truffes, Pralinés – alles handgefertigt, frisch, nachhaltig. Das House of Läderach in Bilten zieht Tausende Besucher, die Fabrik produziert innovativ. Die Marke steht für Freude, Magie und Schweizer Präzision – 90% Freude, 10% Magie.
Die Zukunft? Weiteres Wachstum, Nachhaltigkeit, Innovation – mit Elias' Kreativität und Johannes' Führung bleibt Läderach familiengeführt und schokoladenverbunden.