Die Gründerin von Jasando heisst Sandra Jäggli. Ihr Name steckt im Firmennamen drin – «Ja» für Jasando, «Jäggli» für den Familiennamen, ein Hauch Eigensinn und Identität, der von Anfang an signalisierte: Hier baut jemand etwas Eigenes auf, mit vollem Herzen und vollem Namen. Das war 2015, und Sandra Jäggli war damals noch keine Unternehmerin im klassischen Sinne. Sie war eine Frau mit einer Leidenschaft für Schneideplotter, einem Gespür für das, was kreative Heimwerker in der Schweiz brauchen, und dem Mut, dieses Gespür in ein Geschäftsmodell zu verwandeln.
Der erste Schritt war bescheiden: ein privater Haushalt in Rottenschwil, ein Onlineshop, ein Fokus auf Schneideplotter des Herstellers Silhouette und das dazugehörige Zubehör. Silhouette-Plotter waren damals in der Schweizer Kreativszene gerade am Wachsen – Maschinen, mit denen sich Vinyl, Textilfolie, Papier und mehr präzise zuschneiden lassen, für T-Shirts, Deko, Beschriftungen, Bastelarbeiten aller Art. Das Marktsegment war real, die Nachfrage da, aber die Schweizer Angebotslandschaft dünn. Sandra Jäggli sah die Lücke. Und sie füllte sie.
Was folgte, war kein Raketenstart, aber ein stetiger, unaufhaltsamer Aufstieg. Bereits 2016 – keine zwölf Monate nach der Gründung – wurde aus der Einzelfirma «Jasando.ch, Jäggli Hobbybedarf» eine GmbH. Erste Mitarbeiterinnen kamen dazu. Die Umwandlung war kein bürokratischer Formalakt, sondern ein Signal: Jasando wächst, und dieses Wachstum soll auf solidem Fundament stehen. Nicht auf Kredit, nicht auf Hoffnung, sondern auf Substanz.
Der erste wirkliche Richtungswechsel kam 2017. Das Wohnzimmer war längst zu klein, der Keller voll, der Briefkasten platzte vor Bestellungen. Sandra Jäggli mietete eine umgebaute alte Pferdescheune in Rottenschwil – rund 100 Quadratmeter, rustikaler Charme, aber endlich Platz. Für ein junges Unternehmen, das gerade erst Fahrt aufgenommen hatte, war dieser Raum ein Versprechen an die Kunden: Wir sind hier, und wir bleiben. Das Sortiment wuchs, die Produktkategorien wurden breiter, und die Stammkundschaft, die sich um Jasando herum aufgebaut hatte, wuchs mit.
Bis 2020 hatte Jasando seinen Standort erneut gewechselt – diesmal nach Zufikon, mit 400 Quadratmetern Lagerfläche. Viermal so viel wie in der Scheune. Fünfzig Schritte zurücktreten und sich vorstellen, was das bedeutet: Sandra Jäggli hatte in weniger als fünf Jahren ein Unternehmen aufgebaut, das von einer Privatwohnung auf eine professionelle Lagerhaltung im dreistelligen Quadratmeterbereich gewachsen war – ohne einen einzigen Franken Fremdkapital aufzunehmen. Jeder Ausbauschritt wurde aus den Gewinnen des vorherigen finanziert. Das ist die Logik eines Unternehmens, das für die Dauer gebaut ist, nicht für den schnellen Exit.
Das Jahr 2023 markierte einen Sprung, der in der Geschichte von Jasando noch lange nachhallen wird. Im aargauischen Fahrwangen bezog das Unternehmen ein dreigeschossiges Gebäude mit rund 1'200 Quadratmetern Gesamtfläche. Helle Lagerflächen, ein Backoffice, und – zum ersten Mal in der Geschichte von Jasando – ein richtiger Laden. Am 11. November 2023 öffnete das Ladenlokal in Fahrwangen seine Türen. Kunden, die bisher nur über den Bildschirm mit Jasando interagiert hatten, konnten nun erstmals das Sortiment in die Hand nehmen, Folien anfassen, Geräte betrachten, Fragen stellen. Die Eröffnung war kein grosses Medienspektakel – sie war das stille, stolze Statement einer Gründerin, die sich von einem Wohnzimmer bis hierher vorgekämpft hatte.
Im Juli 2024 folgte die nächste formale Reifestufe: Die GmbH wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Jasando AG. Drei Buchstaben, die nach Beständigkeit klingen. Und danach riechen. Die Rechtsform ist nicht das Wesentliche – aber sie zeigt, dass Jasando nicht mehr das Start-up aus der Scheune ist. Es ist ein eingetragenes, ernsthaft geführtes Schweizer Unternehmen, das seinen Platz im Markt kennt und entschlossen ist, ihn zu halten.
Was 2025 geschah, war gleichzeitig die bisher kühnste Weichenstellung: Am 1. August 2025 übernahm Jasando AG den Webshop und das Ladengeschäft von Tipe.ch – einem etablierten Nähmaschinenspezialisten mit Standort in Wallisellen. Diese Übernahme war mehr als eine geschäftliche Transaktion. Sie war ein Bekenntnis zu einem neuen Produktbereich, ein Schritt in die Welt der Näh- und Stickmaschinen, und ein Versprechen an die Kundinnen von Tipe.ch: Ihre Stammadresse, ihre Ansprechpersonen, ihre vertraute Qualität – das alles bleibt. Nur der Name über der Tür ändert sich.
Damit hat Jasando heute zwei Standorte: Fahrwangen AG, wo das gesamte Vollsortiment liegt, und Wallisellen, wo der Fokus auf Nähmaschinen liegt. Im Oktober 2025 wurde die Lagerfläche in Fahrwangen nochmals ausgebaut – auf nun rund 1'700 Quadratmeter. Das sind 17-mal mehr als die ersten 100 Quadratmeter in der Pferdescheune. In weniger als einer Dekade.
Was das Sortiment von Jasando heute umfasst, ist beeindruckend breit: Schneideplotter von Silhouette, Cricut, Brother und Siser. Transferpressen in jeder Grösse und Ausführung. Lasercutter von xTool und Creality Falcon. Sublimationsdrucker, DTF-Drucker, UV-Drucker. Textilfolien in Hunderten von Farben und Ausführungen – Uni, Glitzer, Metallic, Spezialeffekte. Näh- und Stickmaschinen von Brother, Pfaff, Baby Lock. Und dazu: digitale Plotterdateien, Kurse und Workshops, Bastelmaterialien, Stifte, Papier, Schablonen. Ein Universum für Menschen, die kreativ sind – oder es werden wollen.
Das Team besteht heute aus 13 Personen. 13 Menschen, die wissen, was ein Schneideplotter kann, die einem Kunden am Telefon erklären können, welche Folie für welches Untergrundmaterial geeignet ist, und die mit echtem Interesse für die Projekte mitdenken, die Kunden ihnen schildern. Das ist kein Callcenter. Das ist ein Team von Hobbymenschen, die zufällig auch Profis geworden sind – weil die Gründerin es nie anders wollte.
Jasando ist kein Grosskonzern und will keiner sein. Aber es ist, in seiner Nische, eines der überzeugendsten Beispiele dafür, was in der Schweiz möglich ist, wenn jemand eine klare Idee, eine unerschütterliche Disziplin und den Mut hat, organisch zu wachsen – Schritt für Schritt, Quadratmeter für Quadratmeter, Produkt für Produkt.