Die Geschichte von Wolfgarten beginnt an einem Ort, der für Christine Wolff weit mehr bedeutet als nur ein Grundstück: Es ist der Ort ihrer Kindheit, ihrer Wurzeln, ihrer Erinnerungen. Am Hofweg 2 im alten Dorf von Volketswil hatte ihr Grossvater einst eine Hühnerfarm aufgebaut – ein florierender Betrieb, der von ihrem Vater weitergeführt wurde. Doch als die Zeit kam, den Betrieb zu übernehmen, zog es weder Christine noch ihre Geschwister in die Landwirtschaft. Sie arbeitete rund 25 Jahre im Bankwesen, lebte zeitweise in den USA, verfolgte eine andere Laufbahn. Die ehemaligen Hühnerställe wurden als Lagerräume vermietet, doch mit den Jahren verfielen sie zusehends.
Für viele wäre die Lösung einfach gewesen: das Grundstück verkaufen, einen Investor finden, eine gewöhnliche Überbauung hochziehen. Doch Christine Wolff dachte anders. Mit 54 Jahren, ausgestattet mit einer Weiterbildung in Gerontologie an der Universität Zürich, hatte sie eine klare Vision: Sie wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen wieder zusammenleben – nicht nebeneinander, sondern miteinander. Ursprünglich dachte sie an Alterswohnungen, doch als in Volketswil ein neues Alters- und Pflegezentrum entstand, wurde ihr klar: Was es wirklich braucht, ist nicht mehr Trennung, sondern mehr Verbindung.
Die Idee zu Wolfgarten war geboren: eine Siedlung für alle Generationen, in der Familien mit Kindern neben Seniorinnen und Senioren wohnen, in der man sich grüsst, gemeinsam Zeit verbringt, sich gegenseitig hilft und die Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist. «Ich will keine Siedlung, wo man mit dem Auto in die Tiefgarage fährt, dann mit dem Lift in die Wohnung hoch und mit den Nachbarn nichts zu tun hat», sagte Wolff in einem Interview – ein Satz, der die Philosophie des gesamten Projekts auf den Punkt bringt.
Der Weg von der Vision zur Umsetzung war komplex. Auf 8'000 Quadratmetern sollten 57 Wohnungen entstehen – ein ehrgeiziges Vorhaben, das sorgfältige Planung, starke Partner und eine klare Haltung verlangte. Die Bauherrschaft übernahm die Matma Immobilien AG, die Bauherrenvertretung lag bei Naef & Partner AG, und für die architektonische Gestaltung konnte das renommierte Büro Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten aus Zürich gewonnen werden – ein Team, das für durchdachte, nachhaltige und ästhetisch anspruchsvolle Bauten steht. Die Landschaftsgestaltung übernahm Bernhard Zingler von Landscape Projects, der mit seiner Expertise dafür sorgt, dass der «grosse Garten» nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch ökologisch wertvoll und nutzbar wird.
Das Herzstück des Projekts ist die Verbindung von Wohnen und Landwirtschaft. Die Flächen rund um die fünf Baukörper werden nach biologischen Demeter-Richtlinien bewirtschaftet – mit Obstbäumen, Blumenwiesen, Ackerflächen und einem Gemeinschaftsgarten, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner selbst anpflanzen, ernten und gestalten können. Urban Gardening wird hier nicht als Trend verstanden, sondern als Lebensform: ein Stück Selbstversorgung, ein Ort der Begegnung und ein sichtbares Zeichen dafür, dass nachhaltiges Leben mehr bedeutet als nur energieeffiziente Heizungen und Solaranlagen auf dem Dach.
Die Siedlung richtet sich bewusst an Menschen, die bereit sind, Gemeinschaft aktiv zu gestalten. Geplant sind nicht nur private Wohnungen, sondern auch Gemeinschaftsräume, in denen man sich treffen, gemeinsam kochen oder Feste feiern kann. Ein generationenübergreifender Mittagstisch, gemeinsame Projekte im Garten, gegenseitige Nachbarschaftshilfe – all das ist nicht verpflichtend, aber erwünscht und möglich. Es ist ein Modell, das auf Freiwilligkeit, Respekt und dem Bewusstsein basiert, dass wir als Gesellschaft wieder lernen müssen, aufeinander zu schauen.
Diese Haltung ist tief in Christine Wolffs eigener Biografie verankert. Als Mutter von zwei Teenagern hat sie selbst erlebt, wie wichtig Nachbarschaft, Unterstützung und das Zusammenspiel der Generationen sind. Ihre Weiterbildung in Gerontologie gab ihr zusätzlich den fachlichen Blick auf eine Realität, die oft verdrängt wird: «Die Menschen werden immer älter, und wir können sie nicht alle in Altersheimen unterbringen», sagt sie. «Wir müssen wieder vermehrt aufeinander schauen.» Wolfgarten ist ihre Antwort auf diese Herausforderung – pragmatisch, mutig und zutiefst menschlich.
Ein weiterer zentraler Aspekt des Projekts ist die Nachhaltigkeit, die sich durch alle Ebenen zieht. Die Gebäude werden energieeffizient gebaut, die Landschaft ökologisch gestaltet, und die Bewirtschaftung folgt strengen biologischen Kriterien. Biodiversität, kurze Wege, gemeinschaftliche Ressourcennutzung und der bewusste Verzicht auf unnötigen Flächenverbrauch sind keine Buzzwords, sondern gelebte Praxis. Wolfgarten zeigt, dass nachhaltiges Wohnen nicht Verzicht bedeutet, sondern Gewinn – an Lebensqualität, an Gemeinschaft und an Zukunftsfähigkeit.
Das Projekt knüpft damit an eine Tradition an, die in der Schweiz lange gepflegt wurde, dann aber verloren ging: das Leben in einer Gemeinschaft, in der verschiedene Generationen zusammen wohnen, arbeiten und füreinander da sind. Gleichzeitig denkt Wolfgarten nach vorn: Es ist ein Modell für die Zukunft, in der Wohnraum knapp, die Bevölkerung älter und der Wunsch nach Verbindung und Sinn wieder stärker wird.
Die Resonanz auf das Projekt zeigt, dass Christine Wolff mit ihrer Vision einen Nerv getroffen hat. Solche Projekte würden an Bedeutung gewinnen, ist sie überzeugt – und die Nachfrage nach Wohnungen in Wolfgarten gibt ihr recht. Menschen suchen nicht mehr nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen, an dem ihre Kinder draussen spielen können und an dem sie selbst nicht einsam alt werden müssen.
Wolfgarten ist damit mehr als eine Siedlung. Es ist ein Experiment, eine Hoffnung und ein Beweis dafür, dass es auch anders geht – wenn jemand den Mut hat, eine Vision gegen den Strom zu verwirklichen und andere mitzunehmen auf eine Reise, die nicht im Katalog steht, sondern im Leben selbst.